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Akustikschaumstoff: was er kann und was nicht

Akustikschaumstoff ist ein offenporiger Schaum aus Melaminharz (etwa Basotect) oder Polyurethan, der Schall durch Reibung der Luft in seinen Poren in Wärme umwandelt. Ab dem Mittelton ist er hervorragend: 50 mm Melaminharzschaum erreichen ab 500 Hz Absorptionsgrade nahe 1,0. Darunter fällt die Wirkung steil ab, und daran ändern auch Noppen oder Pyramiden nichts. Entscheidend sind Dicke, offene Poren und ein echter ISO-354-Messwert.

Diese Seite zeigt die akkreditierten Messwerte je Materialdicke, erklärt die physikalische Grenze im Tiefton und vergleicht Melaminharz- mit PU-Schaum. Mit dem interaktiven Dicken-Explorer lässt sich direkt sehen, wie aus einer 20-mm-Platte der Klasse D eine 60-mm-Platte der Klasse A wird.

Stand: 9. Juli 2026

Basotect 60 mm, direkt an der Wand
αw 0,95 (A)
αs ab 500 Hz bei 50 mm Melaminschaum
≈ 1,0
Viertelwellenlänge bei 50 Hz
1,7 m
Brandklasse Melaminharzschaum ohne Zusätze
C-s2,d0

Interaktiv

Was die Dicke ausmacht: echte Basotect-Messwerte

Dicke wählen und die akkreditierte ISO-354-Kurve sehen. Gleicher Schaum, vier Ergebnisse.

Bewerteter Schallabsorptionsgrad

0,85(H)

Absorberklasse

B

50 mm sind der übliche Arbeitsbereich: Klasse B, ab 500 Hz nahezu vollständige Absorption.

Quelle: BASF Technical Information „Acoustics Basotect G“, Hallraummessung nach ISO 354, Montage direkt an der Wand (Typ A).

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Veröffentlichte Schaumstoff-Produkte mit hinterlegten ISO-354-Messwerten, nach Schallabsorptionsgrad sortiert.

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Melaminharzschaum, PU-Schaum und Mineralwolle-Paneel im Vergleich

Melaminharzschaum, PU-Schaum und Mineralwolle-Paneel im Vergleich
BrandverhaltenGewichtBass bei 50 mmTypischer Einsatz
Melaminharzschaum (z. B. Basotect)Schwer entflammbar ohne Zusätze (C-s2,d0 / B1)Sehr leicht, rund 9 kg/m³Schwach unter 250 Hz, αs bei 125 Hz um 0,2Büro, Studio, öffentliche Räume, Decke und Wand
PU-Schaum (Noppen/Pyramiden)Meist B2 (normal entflammbar), B1 nur mit FlammschutzLeicht, je nach Rohdichte 20 bis 40 kg/m³Schwach, effektive Dicke der Profile ist geringerHobby- und Heimstudio, Budget-Projekte
Mineralwolle-Paneel (Vergleich)Nicht brennbar (A1/A2)Schwerer, 40 bis 60 kg/m³ plus RahmenBesser: höherer Strömungswiderstand holt im Bass aufWenn Brandschutz A-Klasse oder Tiefton zählt

Wie Akustikschaumstoff absorbiert

Offenporiger Schaum ist ein poröser Absorber: Schallwellen zwingen die Luft in den feinen Poren zu oszillieren, die Reibung wandelt Schallenergie in Wärme um. Das funktioniert nur, wenn die Poren offen und durchströmbar sind. Geschlossenporige Schäume, etwa Verpackungs- oder Dämmschaum aus dem Baumarkt, sind akustisch praktisch wirkungslos, weil die Luft nicht in das Material eindringen kann.

Poröse Absorber wirken dort, wo die Luftteilchen schnell schwingen, also im Abstand von der Wand. Deshalb steigt die Wirkung mit der Materialdicke und, wo möglich, mit einem Luftabstand zur Wand. Für die Auswahl zählt der gemessene Schallabsorptionsgrad nach ISO 354, nicht die Optik der Oberfläche.

Dicke schlägt Form: die akkreditierten Basotect-Werte

Für Basotect G+, den meistverbreiteten Melaminharzschaum, liegen akkreditierte Hallraummessungen nach ISO 354 je Dicke vor (BASF Technical Information, Montage direkt an der Wand, Typ A). Die Reihe zeigt, was Dicke bewirkt: 20 mm erreichen αw 0,45 und damit nur Klasse D. 40 mm kommen auf αw 0,70 (Klasse C), 50 mm auf αw 0,85 (Klasse B) und 60 mm auf αw 0,95, Klasse A.

Noch deutlicher wird es je Frequenzband: Bei 500 Hz absorbiert die 20-mm-Platte 40 Prozent der Energie, die 60-mm-Platte praktisch alles. Bei 125 Hz schafft selbst die 60-mm-Platte nur einen Absorptionsgrad von 0,25. Wer also über die Dicke entscheidet, entscheidet über das Ergebnis. Der Explorer oben auf dieser Seite zeigt die komplette gemessene Kurve je Dicke.

Der Bass-Irrtum: warum 50 mm Schaum keinen Bass absorbieren

Poröse Absorber brauchen Materialtiefe im Verhältnis zur Wellenlänge. Als Faustwert wirkt eine Schicht gut bis hinab zu der Frequenz, deren Viertelwellenlänge sie abdeckt. Ein 50-Hz-Ton hat eine Viertelwellenlänge von 1,7 Metern; eine 5-cm-Platte ist dafür um mehr als den Faktor 30 zu dünn. Reale Breitbandwirkung beginnt bei 50 mm Schaum um 500 Hz, bei sehr dicken Aufbauten um 250 bis 300 Hz.

Werbeaussagen wie "wirkt ab 60 Hz" halten der Messung nicht stand. Wer tieffrequente Probleme hat, etwa Dröhnen im Heimstudio, braucht dafür andere Werkzeuge: dicke poröse Aufbauten mit Wandabstand, Platten- oder Helmholtz-Resonatoren. Für Sprache, Telefonate und Büro-Hall ist das aber selten relevant, dort spielt der Mittelton die Hauptrolle, und genau dort ist Schaum stark.

Noppen, Pyramiden oder glatt?

Noppen- und Pyramidenprofile sind vor allem Optik. Akustisch zählt die effektive Materialdicke, und ein profiliertes 50-mm-Element enthält deutlich weniger Material als eine glatte 50-mm-Platte, weil die Täler des Profils fehlen. Die Profilspitzen bringen eine leichte Streuwirkung und vergrößern die Oberfläche, das gleicht den Materialverlust aber nicht aus.

Wer Wirkung pro Zentimeter Aufbauhöhe maximieren will, wählt glatte Platten in der größten vertretbaren Dicke. Wer den Studio-Look will, kann Profile wählen, sollte die Absorptionswerte dann aber für das Profil und nicht für die Nenndicke verlangen.

Melaminharz oder PU: Brandschutz entscheidet oft

Melaminharzschaum ist ohne Zusätze schwer entflammbar (Euroklasse C-s2,d0, alte Bezeichnung B1) und mit rund 9 kg/m³ extrem leicht. Er ist die Standardwahl für Büros, öffentliche Gebäude und überall dort, wo Bauordnungen schwer entflammbare Materialien verlangen. PU-Schaum ist günstiger, erreicht unbehandelt aber meist nur B2 und vergilbt unter UV-Licht schneller.

Für private Hobbyräume ist PU oft ausreichend. Sobald ein Raum gewerblich genutzt wird oder Publikum empfängt, lohnt der Blick in die Brandschutzanforderung, bevor die Materialfrage entschieden wird. Die Brandklasse steht in jedem seriösen Datenblatt; in der Suche lässt sich gezielt danach filtern.

Woran man seriöse Anbieter erkennt

Ein seriöses Produkt nennt die Messnorm (ISO 354, Hallraum), die Montageart der Messung (direkt an der Wand oder mit Luftabstand), den bewerteten Schallabsorptionsgrad αw mit Klasse und idealerweise die Werte je Frequenzband. Angaben ohne Norm, ohne Montageart oder mit Absorptionsgraden über 1,0 als Produktversprechen sind Warnsignale: ISO 11654 deckelt αw bei 1,0, und Rohwerte αs über 1,0 entstehen nur durch Kantenbeugung im Messverfahren, typischerweise bis etwa 1,05.

Acoustic Index listet zu jedem Produkt die hinterlegten Messwerte je Frequenzband samt Quelle. Damit lässt sich ein 49-Euro-Noppenschaum ehrlich gegen eine Basotect-Platte oder ein Mineralwolle-Paneel stellen, bevor gekauft wird.

Häufige Fragen

Was bringt Akustikschaumstoff wirklich?+

Sehr viel im Mittel- und Hochton, wenig im Bass. 50 mm Melaminharzschaum absorbieren ab 500 Hz praktisch die gesamte auftreffende Schallenergie (αs nahe 1,0, gemessen nach ISO 354). Bei 125 Hz liegt derselbe Aufbau nur um 0,2. Für Sprachverständlichkeit, Telefonate und Büro-Hall ist das genau richtig, gegen Dröhnen und Bass hilft es kaum.

Welche Dicke sollte Akustikschaumstoff haben?+

So dick wie vertretbar. Die akkreditierten Basotect-Werte zeigen die Spanne: 20 mm erreichen αw 0,45 (Klasse D), 40 mm αw 0,70 (Klasse C), 50 mm αw 0,85 (Klasse B), 60 mm αw 0,95 (Klasse A). Unter 40 mm ist die Wirkung für Raumakustik meist zu gering; 50 bis 60 mm sind der übliche Arbeitsbereich.

Hilft Akustikschaumstoff gegen Bass?+

In üblichen Dicken nein. Poröse Absorber brauchen Materialtiefe im Verhältnis zur Wellenlänge; bei 50 Hz beträgt die Viertelwellenlänge 1,7 m. Reale Wirkung beginnt bei 50 mm um 500 Hz, bei sehr dicken Aufbauten um 250 bis 300 Hz. Für tieffrequente Probleme sind Platten- oder Helmholtz-Resonatoren die passenden Werkzeuge.

Noppenschaumstoff oder glatte Platten?+

Glatte Platten, wenn es um Wirkung pro Aufbauhöhe geht. Ein Noppen- oder Pyramidenprofil enthält deutlich weniger Material als eine glatte Platte gleicher Nenndicke, weil die Profiltäler fehlen. Die Spitzen streuen etwas und sehen nach Studio aus, absorbieren aber nicht mehr. Verlangen Sie Messwerte für das konkrete Profil.

Ist Akustikschaumstoff brennbar?+

Je nach Material. Melaminharzschaum wie Basotect ist ohne Zusätze schwer entflammbar (C-s2,d0, alte Bezeichnung B1) und darf in den meisten öffentlichen und gewerblichen Räumen eingesetzt werden. PU-Schaum erreicht unbehandelt meist B2 (normal entflammbar); B1 gibt es nur mit Flammschutzausrüstung. Die Brandklasse steht im Datenblatt.

Was ist der Unterschied zwischen Basotect und billigem PU-Schaum?+

Basotect ist ein Melaminharzschaum: schwer entflammbar ohne Zusätze, sehr leicht (rund 9 kg/m³), UV-stabiler und mit akkreditierten Messwerten breit dokumentiert. PU-Schaum ist günstiger, brandtechnisch schwächer und vergilbt schneller. Akustisch nehmen sich beide im Mittel-/Hochton wenig, wenn Dicke und offene Poren stimmen.

Hilft Akustikschaumstoff gegen Lärm von Nachbarn oder von draußen?+

Nein. Schaumstoff absorbiert den Hall im Raum (Schallabsorption), er dämmt aber nicht die Übertragung durch Wand oder Decke (Schalldämmung, R'w in dB). Eine Schaumschicht an der Wand ändert die Dämmung praktisch nicht. Gegen Nachbarschaftslärm helfen nur schwere, dichte, entkoppelte Konstruktionen.

Kann der Absorptionsgrad größer als 1,0 sein?+

Als bewerteter Wert nicht: ISO 11654 deckelt αw bei 1,0. In Rohdaten αs treten Werte leicht über 1,0 auf (typisch bis etwa 1,05), weil Kantenbeugung im Hallraum die wirksame Fläche vergrößert. Produktversprechen mit Absorptionsgraden von 1,5 oder 2,0 sind physikalisch unseriös.

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