Wie viele Akustikpaneele brauche ich?
Zuletzt aktualisiert: 14. September 2026. Von Acoustic Index.
Die Anzahl folgt aus drei Zahlen: der fehlenden äquivalenten Absorptionsfläche ΔA, dem bewerteten Absorptionsgrad αw des Paneels und seiner Fläche: n ≈ ΔA / (αw · Paneelfläche). ΔA ergibt sich aus Raumvolumen und Ziel-Nachhallzeit nach Sabine. Faustregeln nach Bedeckungsgrad (20 bis 30 Prozent der Wand) übergehen Volumen, Nutzung und Frequenz; sie passen bei kleinen Wohnräumen und liegen bei Büros und Klassenzimmern oft weit daneben. Der Raumakustik-Rechner rechnet die Anzahl je Produkt aus der gemessenen Absorptionskurve.
Der Rechenweg in drei Schritten
Schritt 1, der Ist-Zustand: Die vorhandene äquivalente Absorptionsfläche folgt aus Sabine, A_ist = 0,163 · V / T_ist. Ein Büro mit 120 m³ und gemessenen oder geschätzten 0,9 s hat A_ist = 0,163 · 120 / 0,9 = 21,7 m². Ohne Messung liefert der Rechner den Ist-Wert aus Maßen, Boden, Wänden, Decke und Einrichtung.
Schritt 2, das Ziel: Mit dem Sollwert der Nutzung ergibt sich A_soll = 0,163 · V / T_soll. Für 0,55 s sind das 0,163 · 120 / 0,55 = 35,6 m². Die Differenz ΔA = 35,6 − 21,7 ≈ 14 m² ist die äquivalente Absorptionsfläche, die fehlt. Sie enthält den Absorptionsgrad bereits; reale Paneelfläche braucht es mehr.
Schritt 3, die Paneele: n ≈ ΔA / (αw · Paneelfläche). Wandpaneele von 1,2 × 0,6 m (0,72 m²) mit αw 0,9 liefern je 0,65 m²; für 14 m² sind das 22 Paneele. Deckensegel von 2,4 × 1,2 m mit αw 0,95 liefern je 2,7 m²; dann reichen fünf bis sechs Segel. Dieselbe Fläche, andere Stückzahl: Die Anzahl hängt am Produkt, nicht am Raum allein.
Interaktiv
Wie viele Paneele braucht Ihr Raum?
Raumgröße und Paneelformat wählen. Annahme: halliger Raum (ca. 0,8 s), Ziel angenehme 0,55 s, Paneel mit αw 0,8.
Grundfläche
25 m²
Paneelformat
- Fehlende Absorptionsfläche
- 5,8m²
- 1,2 × 0,6 m, αw 0,8
- 11Paneele
Überschlag nach Sabine bei 2,5 m Raumhöhe. Möblierung und stärkere oder schwächere Paneele verschieben das Ergebnis; die genaue Auslegung mit echten Produktdaten übernimmt der Nachhallzeit-Rechner.
Warum der Bedeckungsgrad nicht reicht
Die Faustregel „20 bis 30 Prozent der Wandfläche“ kennt weder Raumhöhe noch Nutzung noch Ist-Zustand. Zwei Räume mit gleicher Wandfläche, aber 2,5 und 4 m Höhe, brauchen verschieden viel Absorption, weil das Volumen die Nachhallzeit bestimmt. Ein Klassenzimmer mit Sollwert 0,6 s braucht deutlich mehr als ein Wohnzimmer, in dem 0,6 s schon angenehm sind.
Der Bedeckungsgrad sagt auch nichts über die Frequenz. Dünne Paneele absorbieren bei 2.000 Hz fast alles und bei 125 Hz fast nichts; ein Raum kann bei hohen Frequenzen im Ziel liegen und bei tiefen weiter dröhnen. Deshalb rechnet der Rechner je Oktavband und zeigt, welche Bänder noch offen sind.
Sinnvoll ist der Bedeckungsgrad als Kontrolle am Ende: Liegt die nötige Fläche über 60 bis 80 Prozent der Decke, ist ein Produkt mit höherem αw oder größerer Aufbauhöhe die bessere Wahl als noch mehr Paneele.
Faustwerte je Raum
Wohnzimmer, 80 m³, möbliert (Sofa, Teppich, Vorhang): Ist meist 0,7 bis 0,8 s, Ziel 0,5 bis 0,6 s, ΔA 5 bis 10 m². Ein Akustikbild von 1,2 × 0,8 m mit αw 0,8 bringt rund 0,8 m², ein Deckensegel von 2,4 × 1,2 m mit αw 0,9 rund 2,6 m². Realistisch: ein Segel über dem Esstisch plus drei bis fünf Bilder, oder acht bis zwölf Bilder.
Büro, 120 m³, Teppich und Gipskartondecke: Ist 0,8 bis 0,9 s, Ziel nach ASR A3.7 höchstens 0,6 s, ΔA 12 bis 16 m². Das sind 20 bis 25 Wandpaneele von 0,72 m² mit αw 0,9 oder rund 15 m² Deckensegel; nach DIN 18041 Raumgruppe B (A/V ≥ 0,25 m⁻¹ im Großraumbüro) sind es insgesamt rund 30 m² Absorption im Raum.
Besprechungsraum, 100 m³: Ziel nach DIN 18041 um 0,5 s, ΔA 15 bis 25 m², also ein Deckensegel über die halbe Decke oder Stirnwand plus ein kleineres Segel.
Klassenzimmer, 200 m³, leer 1,5 s: Ziel nach DIN 18041 rund 0,6 s, ΔA um 35 m². Eine Akustikdecke der Klasse A über die ganze Grundfläche (rund 63 m² × 0,9) deckt das ab; mit Klasse B braucht es zusätzlich die Rückwand.
Restaurant, 500 m³: DIN 18041 verlangt mindestens 0,20 m² Absorption je Kubikmeter, also 100 m² im Raum. Fliesen, Glas und Betondecke bringen fast nichts; die Decke muss weitgehend belegt werden, etwa mit Akustikputz oder Segeln, dazu Akustikbilder an den Wänden.
Alle Werte hängen am Ist-Zustand. Ein Raum mit Teppich und Vorhängen braucht die Hälfte, ein Raum mit Glas und Beton das Doppelte. Deshalb rechnet der Rechner mit Ihren Oberflächen und dem gemessenen Produkt statt mit Faustwerten.
Was die Anzahl verändert
Absorptionsgrad: αw 0,9 statt 0,7 spart rund ein Viertel der Paneele. Der Einzahlwert αw unterschätzt die Tiefen; für Räume mit dröhnendem Bass zählt der Wert bei 125 und 250 Hz aus der Messkurve, nicht die Klasse.
Montage: Wandpaneele mit Abstand zur Wand absorbieren tiefer als direkt verklebte, Deckensegel mit Luft dahinter wirken beidseitig. Dieselbe Platte kann je nach Aufbau 0,55 oder 0,95 erreichen; der Prüfbericht nennt den Aufbau, der Rechner zeigt die Varianten.
Verteilung: Verteilte Absorber wirken besser als eine Fläche in einer Ecke, weil sie mehr Reflexionswege treffen. Absorber gegenüber harten Flächen und in Ohrhöhe bringen für Sprache am meisten.
Zielwert: 0,55 statt 0,50 s spart im Beispielbüro zwei bis drei Paneele. Für Büros zählt ASR A3.7, für Unterricht DIN 18041 mit Toleranzband; der Rechner setzt den Sollwert aus der Nutzung.
Von der Anzahl zum Produkt
Die Stückzahl ist nur so gut wie der Absorptionsgrad, mit dem sie gerechnet wurde. Prospektwerte und Klassenangaben ohne Prüfbericht sind eine Schätzung; für Ausschreibung und Nachweis braucht es Werte aus einer Hallraummessung nach ISO 354 mit dem Aufbau, der später verbaut wird.
Im Raumakustik-Rechner wählen Sie Nutzung, Maße und Oberflächen, dann ein Produkt aus der Datenbank. Der Mengenvorschlag nennt Quadratmeter oder Stück, prüft alle Oktavbänder gegen den Sollwert und zeigt, ob die freie Decken- oder Wandfläche reicht. Die Suche filtert Produkte nach αw, Frequenzband, Einbauart und Montage.
Häufige Fragen
Wie viele Akustikpaneele pro Quadratmeter?
Eine Regel je Quadratmeter Wand gibt es nicht, weil die Nachhallzeit am Volumen hängt. Brauchbar ist die Regel je Kubikmeter: Nach DIN 18041 Raumgruppe B braucht ein Büro 0,20 bis 0,25 m² äquivalente Absorptionsfläche je Kubikmeter Raum. Mit Paneelen von αw 0,9 sind das rund 0,25 m² Paneelfläche je Kubikmeter, abzüglich dessen, was Teppich und Möbel schon bringen.
Reichen 20 bis 30 Prozent der Wandfläche?
In kleinen möblierten Wohnräumen meist ja, in Büros, Klassenzimmern und Restaurants oft nicht. Die Regel ignoriert Raumhöhe, Sollwert und Frequenz. Rechnen Sie stattdessen ΔA = 0,163 · V · (1/T_soll − 1/T_ist) und teilen Sie durch αw mal Paneelfläche.
Wie viele Akustikpaneele für ein Wohnzimmer?
Für ein möbliertes Wohnzimmer mit 80 m³ fehlen meist 5 bis 10 m² äquivalente Absorptionsfläche. Das sind acht bis zwölf Akustikbilder von 1,2 × 0,8 m mit αw 0,8 oder ein Deckensegel plus drei bis fünf Bilder. Der Rechner nennt die Zahl für Ihre Maße und Ihr Produkt.
Wie viele Akustikpaneele für ein Büro?
Ein Büro mit 120 m³, Teppich und Gipskartondecke braucht für höchstens 0,6 s nach ASR A3.7 rund 12 bis 16 m² zusätzliche äquivalente Absorptionsfläche: 20 bis 25 Wandpaneele von 1,2 × 0,6 m mit αw 0,9 oder rund 15 m² Deckensegel. Mit Glasfront und Hartboden verdoppelt sich der Bedarf.
Ist der αw-Wert zum Rechnen genau genug?
Für eine Mengenschätzung ja, für einen Nachweis nein. αw ist ein Einzahlwert nach ISO 11654, der die tiefen Frequenzen unterbewertet. Für Räume mit Bassproblemen und für Nachweise nach DIN 18041 rechnet man je Oktavband mit αs oder αp aus dem Prüfbericht; genau das macht der Rechner.
Quellen
- DIN 18041:2016-03, Hörsamkeit in Räumen, Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung
- ASR A3.7 Lärm, Technische Regel für Arbeitsstätten, Ausgabe 2018
- ISO 11654:1997, Schallabsorber für die Anwendung in Gebäuden, Bewertung der Schallabsorption
- ISO 354:2003, Messung der Schallabsorption in Hallräumen
- W. C. Sabine, Collected Papers on Acoustics, Harvard University Press
- H. Kuttruff, Room Acoustics, 6th ed., Diffusfeldmodell und mittlerer Absorptionsgrad